Die Kunst ist mein Werkzeug

Aktualisiert: Mai 3

Persönliche Wort zur Reihe "kleine kunsttherapeutische Momente"



Letztens bin ich einer Freundin so richtig deftig über die Grenzen gestiegen. Total ungewollt und in bestem Wissen und Gewissen. Ich hab mich sofort entschuldigt. Das tat aber nichts zur Sache, dass mich mein eigener Fehler volle vier Tage beschäftigt – ich würde sogar sagen gequält – hat.

Und was macht man in solchen Situationen?

Erstmal nix.

Leidend aushalten.


Nach ein bisschen leiden hab ich dann doch eine Freundin (eine andere als die betroffene) angerufen und ihr meinen Fehler gestanden, und all die Gefühle und Gedanken und Selbstvorwürfe. Die Freundin ist auch Kunsttherapeutin und fragt mich doch dann glatt „Und? Gehst du damit in die Kunst?“.

Ertappt.


Da war doch was. Ich bin ja Kunsttherapeutin.

Und entgegen meiner hochgesteckten Erwartungen an mich selbst, heißt dass ja nicht unbedingt, dass ich dauerhaft emotional leuchtend-fröhlich wie ein frisch gewaschenes Sommerkleid durch mein Leben spazieren muss.


Es heißt ganz einfach, dass die Kunst mein Werkzeug ist. Und dieses Werkzeug kann ich verdammt noch mal auch für mich selbst einsetzen, wenn es emotional gerade mal nicht so frisch-duftend zugeht.

Und nach ein bissi künstlerischem Verausgaben und ein paar kleinen Erkenntnissen, bin ich vor allem eines: innerlich wieder ein bissi ruhiger.


Ich merke


1) es braucht wirklich nicht viel Zeit

(5-15 Minuten künstlerischer Prozess können schon reichen)


2) es wirkt

(künstlerische Auseinandersetzung macht einen Unterschied, wie auch immer der aussieht, es ist sicher nachher anders als davor. Transformation.)


3) es wirkt.

Nun, und so schreib ich jetzt auf diesem Blog: mit welchen Themen ich mich beschäftige und welche kunsttherapeutischen Prozesse ich dazu in meiner Praxis (oder mit mir selbst) mache. Und ich hoffe, dass dadurch mehr Menschen diese Art der Auseinandersetzung mit den eigenen physisch-psychisch-sozialen Befindlichkeiten für sich nutzen können. Also bei Kleinigkeiten mein ich. Werkzeugkoffer für die kleine Flecken am Sommerkleid sozusagen.

Bei Rotweinflecken bleibt der Gang zur Therapeutin wohl nicht aus.

Das würde ich ja sonst auch nicht selbst rausputzen probieren, sondern geh zur Reinigung ... oder zur Mama.


Notiz am Rande: ich habe dann natürlich auch mit der betroffenen Freundin noch mal ordentlich geredet. Das hat dann schon auch noch mal so manche Ängste relativiert und innere Wogen geglättet.

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