Den Wirbelsturm im Kopf beruhigen

Aktualisiert: Mai 3

Reihe: kleine kunsttherapeutische Momente



Du kennst das? Die ewig gleichen Gedanken drehen sich um das ewig gleiche Thema? Oder anders rum - alle möglichen Gedanken drehen sich um alle möglichen Themen? Du bist so voll im Kopf, dass du nicht mehr klar denken kannst?


Wirbelsturm der Gedanken.

Und dann kommt noch dazu, dass die Gedanken nur selten ohne Gefühle daher kommen. Beängstigende Gedanken haben Ängste im Schlepptau. Und obendrauf bringen sie oftmals noch körperliche Empfindungen wie Enge in der Brust oder Kopfschmerzen mit.


Nichts Neues, und völlig normal.

Vor allem in Zeiten von Ausgangssperren, finanzieller Unsicherheit, der Gefahr einer unsichtbaren Pandemie.


Wir wünschen uns eine Stopp-Taste für die Gedanken im Kopf! Dieses Stopp ist nicht so einfach, weil die Energie hoch ist und die können wir nicht so einfach runter-regulieren in stressbehafteten Momenten. Aber es ist oftmals möglich diese Energie umzulenken in etwas anderes. Laufen gehen, Kochen, Gartenarbeiten. Wie das Sprichwort so schön sagt, bringt uns das auf andere Gedanken.


Die Kunst hat da einen entscheidenden Vorteil. Mit der Kunst müssen wir uns nicht „ablenken“ von unseren Gedanken, oder „uns auf andere Gedanken bringen“, wir können im Gegenteil mit ihnen arbeiten.

Aber eben auf eine aktive Art und Weise statt uns von ihnen eindrehen und fesseln zu lassen.


Ich möchte mit diesem Text eine Einladung an all die wirbelsturmgeplagten Kopfkino-Besitzer*innen aussprechen: kommt ins Tun! Nehmt eure Hände und Herzen zu Hilfe und kommt erstmal raus aus dem Epizentrum des Gedankensturms.




Aber wie geht das?

Ich habe dir hier eine Anleitung geschrieben, für eine kurze künstlerische Übung. Vielleicht hast du ja Lust, das gleich hier auszuprobieren. Du brauchst dafür 1 Bleistift, 2 Zettel und 10 Minuten Zeit.


  • Nimm dir 10 Minuten Zeit.

  • Suche dir einen (halbwegs) ruhigen Ort und schnappe dir Papier und Bleistift.

  • Nimm drei tiefe Atemzüge bei denen du dich vor allem auf die Ausatmung konzentrierst und nimm dann den Stift zur Hand.

  • Versuche mit der Aufmerksamkeit in deine Hand zu wandern, in die Finger die den Stift umgreifen und lasse sie so gut es geht den Wirbelsturm in deinem Kopf aufs Papier bringen – in einem durchgängigen Strich.

  • Und dann halte kurz inne. Atme wieder durch und schaue dir das Bild an. Beobachte was es mit dir macht, diesen Wirbelsturm nicht nur in deinem Kopf zu haben, sondern auf dem Bild anschauen zu können.

  • Nimm dann ein zweites Blatt Papier und versuche den Sturm zu besänftigen. Zeichne wieder ohne absetzen eine durchgängige Line - versuche jetzt aber ein bisschen Ordnung reinzukriegen.

  • Du kannst dir wahrscheinlich denken was jetzt kommt: Atme wieder durch und schaue dir an, was dieses neue Bild mit dir macht.

  • Ja und das wars auch schon fürs Erste.


Wenn du nach dieser Übung Zeit, Lust und Energie hast, kannst du dich weiter kreativ oder anderswie mit den Themen beschäftigen, die nun da sind. Vielleicht wurde dir im Zuge der Übung klarer, was genau dich denn gerade so beschäftigt. Vielleicht sind dir beim zweiten Bild schon Ideen zur Lösung des Problems gekommen. Aber das alles ist schon der zweite Schritt der Bearbeitung.


Erstmals macht die künstlerische Auseinandersetzung eins - wir kommen in die Aktivität und sind nicht mehr passiv unseren eigenen Gedanken ausgeliefert!

Wenn wir kreativ tätig sind, sind wir immer auch schöpferisch tätig. Wir erschaffen unsere Welt aktiv mit, und lassen uns nicht passiv beschallen von den Gedanken in unserem Kopf, die manchmal so unkontrollierbar wirken. Wir bringen die Gedanken aus uns heraus, aufs Papier. Damit bringen wir unsere übrigen Sinneswahrnehmungen mit ins Spiel – unsere Hände gleiten übers Papier, wir sehen was entsteht, vielleicht riechen wir sogar den Geruch des Papiers. Somit kriegt das was vorher „in uns“ war, Hand und Fuß. Es wird greifbarer und verstehbarer.


Und übrigens geht das nicht nur mit Gedanken, sondern auch mit Gefühlen.


Ich freue mich, wenn die eine oder der andere dieser Einladung folgt und einen eigenen kleinen kunsttherapeutischen Moment für sich selbst erschafft. Wenn ihr mir berichten wollt, wie es euch damit ergangen ist, freue ich mich natürlich besonders.


Bis dahin. Bleibt gesund.

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